Klärschlamm

Situation in Deutschland



K.R. Imhoff (1993):

„Am meisten Schwierigkeiten bereitet uns der Klärschlamm. Er macht als Rohschlamm zwar nur 1% der behandelten Abwassermenge aus, verursacht aber rund 30% der Abwasserbehandlungskosten und 90% der Kopfschmerzen." Auch gut 25 Jahre später ist diese Aussage von Karl Imhoff, einer der deutschen Pioniere im Bereich Abwasserreinigung, zutreffender denn je.

In Deutschland fielen im Jahr 2018 rund 1,8 Mio. Tonnen kommunaler Klärschlamm an. Davon wurden 70% der thermischen Verwertung zugeführt. Innerhalb der Landwirtschaft sowie dem Landschaftsbau wurden 18% beziehungsweise 10% verwertet. Ein marginaler Anteil wurde anderweitig verwertet.

(Quelle: K. Mix-Spagl Klärschlamm: Aktueller Stand in Deutschland/Bayern, Bayerisches Landesamt für Umwelt 2017)






Klärschlamm als Schadstoffsenke in der Abwasserreinigung

Der Klärschlamm, der als heterogenes Gemisch am Ende der Abwasserreinigung anfällt enthält neben Nährstoffen (Stickstoff und Phosphor) auch bedenkliche Inhaltsstoffe wie Schwermetalle, Pflanzenschutzmittel, Arzneimittelrückstände und pathogene Organismen. Im Interesse eines vorbeugenden Boden- und Grundwasserschutzes ist es daher naheliegend die landwirtschaftliche Verwertung durch strengere Gesetzgebungen (AbfKlärV. DüngV.) zu erschweren und die thermische Verwertung in Mono- und Mitverbrennungsanlagen zu fördern.

Monoverbrennung und Phosphorrecycling

Zukünftig wird die bodenbezogene Verwertung für Klärschlamm gänzlich untersagt werden (ab 01.01.2029 für Kläranlagen > 100.000 EW und ab dem 01.01.2032 für Kläranlagen >50.000EW). Hinzukommt eine zwingend vorgeschriebene Phosphorrückgewinnung sofern der Phosphorgehalt ≥ 20g/kg (TM) übersteigt. Um unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten Phosphorrecycling betreiben zu können, ist nach dem derzeitigen Stand die nasschemische Rückgewinnung aus Monoaschen, also den Verbrennungsrückständen aus Monoverbrennungsanlagen, die zielführendste Strategie.






Schlammentwässerung – ein wichtiger Schritt vor der thermischen Verwertung

Soll Klärschlamm thermisch verwertet werden, muss dieser zuvor entwässert (TS =20-35%), oder gar getrocknet (TS>40%) werden. Dabei ist es unerheblich, ob der Schlamm einer Mitverbrennung (Kohlekraft, Zementdrehrohrofen), oder einer Monoverbrennung zugeführt wird.

In der Praxis haben sich Zentrifugen, Kammer- und Bandfilterpressen sowie Schneckenpressen für eine stationäre Entwässerung kommunaler Klärschlamme bewährt. Durch den Einsatz dieser Aggregate lassen sich die von Verwertungsanlagen geforderten TS-Gehalt von 20-30% erzielen. Durch die bei Entwässerung realisierte Volumenminderung reduzieren sich die Transportkosten und die mit dem Transport einhergehenden Emissionen.